2015-04-28-Christchurch-4-Redzone

Wetter: 15º morgens, bewölkt, windig sowie der eine oder andere Regenschauer, tagsüber bis 18°.

Aktivitäten:

Heute war es dann so weit, es ging in die Innenstadt, ohne dass wir eine genaue Vorstellung davon hatten, was uns dort erwartet….nach den beiden verheerenden Erdbeben aus September 2010 und Februar 2011.
An dem Behelfs-Zentralen-Busbahnhof stiegen wir aus dem Bus, denn gleich nebenan ist die Container-Shopping-Mall “Re:START”.

Als Redzone wird der innere Kern der Innenstadt bezeichnet, in dem die größten Zerstörungen stattfanden. Um ein halbwegs normales Leben in der Innenstadt wieder zu ermöglichen wurde unter anderem die Container-Mall errichtet.

Erst allmählich wird uns immer mehr klar, welches Ausmaß an Zerstörung hier stattgefunden hat, denn alle großen Flächen hier waren mal bebaut, sehr viele Häuser sind versperrt weil sie irgendwann mal abgerissen werden müssen, an zig Stellen wir gebaut aber es bleibt noch unendlich viel zu tun. Für ein Land mit dieser geringen Wirtschaftskraft eine Herkulesaufgabe über Jahrzehnte, das bestätigen uns auch viele Leute in Gesprächen.

Von den Bauaktivitäten aus gehen wir weiter in den Innenstadtkern und es wird zunehmend ruhiger um uns herum. Warum wird uns klar als wir die Gebäude betrachten, nur ganz wenige sind geöffnet darunter nur ein oder zwei Hotels, aber die Mehrzahl wartet hinter Bauzäunen oder Containerwänden auf ihren Abriss. Die Innenstadt ist quasi ausgestorben. Ein sehr bedrückendes Gefühl, die größte Action geht noch von der historischen Strassenbahn aus, die die wenigen Touristen um die Innenstadt herum fährt.

Das Zentrum bestand aus einer wunderschönen Kathedrale mit Glockenturm, ein Wahrzeichen von Christchurch. Der Glockenturm stürtzte als erstes ein, beim zweiten Erdbeben die Front der Kathedrale. Viele hoffen noch auf einen Wiederaufbau aber eigentlich ist der Abbruch beschlossene Sache.
Man hat auch schon etwas weiter weg eine neue gebaut, zu der wir ein paar Tage später gehen wollen.

Der Schutt ist weg, aber geblieben sind die vielen großen Wunden (Freiflächen, die zT als Parkplatz genutzt werden, nur wer soll da parken?) und kleinen Wunden wie die vielen baufälligen Gebäude.

Geschäfte gibt es nicht mehr, bis auf einige wenige in einer der ganz alten Strassen der “New Regent Street” aus 1932. Für mich ist diese Strasse etwas zu bunt geraten aber hier ist noch Leben, wie angenehm, da gönnen wir uns doch gleich einen Cappuchino. Auch das Theater nebenan ist noch sehr gut erhalten und in Benutzung, gerade läuft ein Gastspiel von “Das Phantom der Oper”.

Warum und wann wieder Büros und Geschäfte in der Innenstadt seien werden…keiner weiß es. Stattdessen blühen die anderen Zentren auf. Das Leben hat sich verlagert, auf lange Zeit.

Etwas ausserhalb finden wir noch einen ganzen Strassenzug, der abgerissen werden muss, 4 Jahre nach dem Beben. Irgendwie wirkt dies alles sehr traurig. Da passt das düstere Wetter auch noch prima zu.

Auf fast allen Strassen, die noch nicht neugestaltet wurden, findet man bunte Striche, die je nach Farbe den Verlauf von Versorgungsleitungen dokumentieren. Auch ein Relikt der harten Tage kurz nach dem Erdbeben.

Wer mehr wissen will (Verlauf, Tote, wirtschaftliche Auswirkungen etc.) mag googlen z.B. unter Wikipedia zum Erdbeben in Christchurch

Übrigens sind die Bewohner Christchurch emotional schon viel weiter als wir, sie haben ihre Trauerarbeit hinter sich und sehen die Chancen, die in der Neugestaltung stecken…und haben die typisch neuseeländische Geduld darauf zu warten.

Auch hier wurde uns klar in welchem starken Land (Deutschland) wir leben und welche finanzielle Kraft es hat…..oder auch nicht, wenn ich an unsere Brücken denke!!

Bilder:

 

 

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